Lesen – Worte, die nie geflossen

„Ständig zu der Annahme bereit sein, dass ein anderer etwas anderes ist als das, was man in ihm liest, wenn er zugegen ist (oder wenn man an ihn denkt). Oder vielmehr: in ihm auch (und ständig) lesen, dass er gewiss etwas anderes, vielleicht etwas völlig anderes ist als das, was man in ihm liest.“ (Simone Weil)

„Jedes Wesen ist ein stummer Schrei danach, anders gelesen zu werden.“ (Simone Weil)

Ein Schrei, der eingeschlossen,
Tränen, die nie vergossen,
Worte, die nie geflossen,
Sehnsucht die nie verloschen.

„Der einzige Mensch, der sich vernünftig verhält, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich sieht, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen.“ (George Bernard Shaw)

Den Anderen, wie klein oder groß er auch sein mag, nicht mit einem abschließenden Vokabular abtun, ihn nicht in der eigenen Sicht einzuschließen, ihn nicht in der eigenen Ablehnung auszuschließen, sondern ihn immer wieder anders, immer wieder neu “lesen” – und dies im wachen Bewusstsein, dass er gewiss völlig anders ist und dass es eine einzige dauernde Wahrheit über ihn nicht gibt, da er/sie – genauso wie wir – nicht einfach nur ist, sondern im Werden ist. Ist jener stumme Schrei nicht auch unser Schrei? Wird er vernommen? Vernehmen wir den Schrei der Anderen?

„Die Einsamkeit des Herzens, das nach Liebe verlangt, ist unerträglich.“ (Mutter Teresa)

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